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Friday, September 8 • 09:00 - 09:45
Wer hat Feinstaub zum Politik-Thema gemacht? Luftreinhaltung im Spannungsfeld von Journalismus, Wissenschaft und Politik.

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A) Die Diskussion um die Luftreinhaltung in Städten verwendet – von wenigen kaum beachteten Ausnahmen abgesehen – Fakten nur sehr eingeschränkt als Grundlage; Fakten sind z. B.:

-          Feinstaubgrenzwerte sind in Deutschland nur noch in Stuttgart überschritten, ansonsten haben wir viele Überschreitungen der NO2-Grenzwerte.

-          Benzin- und Elektrofahrzeuge haben vergleichbare Feinstaubemissionen wie Diesel-PkW.

-          Feinstaubemissionen stammen vom Abrieb von Reifen, Bremsen und Straßenbelägen sowie aus der Wiederaufwirbelung von Straßenstaub, aber auch aus kleineren Holzfeuerungen. Außerdem besteht ein nennenswerter Anteil des Feinstaubs aus sekundären Feinstäuben, die wiederum durch chemische Umwandlung von Ammoniak (aus der Landwirtschaft) und NOx in der Atmosphäre entstehen.

-          NO2 Konzentrationen stammen insbesondere aus den Auspuffgasen von Diesel PkW.  Der Ersatz eines Euro 4 Diesels durch einen Euro 6 Diesel führt jedoch meist nicht zu einer Senkung der NOx Emissionen, nur Dieselfahrzeuge, die die Euro 6d Temp oder Euro 6d Norm erfüllen, reduzieren die NOx Emissionen wirkungsvoll.

Diese Zusammenhänge lassen sich durch Beschaffung weniger, im Internet verfügbarer Daten ableiten. Ein wichtiger, überhaupt nicht diskutierter Aspekt ist jedoch auch die Frage, ob und bis wann wir denn die Grenzwerte einhalten wollen. Hier herrscht die Meinung vor, dass eine Nichterfüllung von Grenzwerten mit erheblichen Gesundheitsrisiken verbunden ist, während bei sofortiger Einhaltung der Grenzwerte die Gesundheitsrisiken gebannt sind. Dies ist jedoch nicht der Fall, z. B. hat der in Stuttgart überschrittene Feinstaubgrenzwert nur eine eher geringe Relevanz für die Gesundheit.

Im Panel sollen die Gründe dafür, dass Fakten von Politikern und Journalisten oft nicht beachtet werden, diskutiert werden und Wege zu einer verbesserten Zusammenarbeit gesucht werden.

B) Die Politik hat Feinstaub als Problem erkannt und u.a. Umweltzonen eingerichtet. Journalisten haben das erstaunlich unkritisch begleitet, denn während die Gesundheitsgefahren durch Feinstaub unstrittig sind, ist der kausale Zusammenhang zwischen Autoverkehr und Feinstaubbelastung gering (andere Faktoren, vor allem das Wetter spielen eine größere Rolle). Darüber hin aus sind die Möglichkeiten, Feinstaub zu reduzieren, begrenzt. Sind Umweltzonen symbolische Politik oder ist gar der gesellschaftliche Diskurs, moderiert von Medien unter Teilnahme von Wissenschaftlern gescheitert?

Vor allem mit Blick auf die anderen schädlichen Emissionen des Autoverkehrs soll das diskutiert werden.


Das OK Lab Stuttgart ist Teil des Programms Code for Germany der Open Knowledge Foundation Germany. Ziel des Programms ist es, Entwicklungen im Bereich Transparenz, Open Data und Citizen Science zu fördern. Mit dem Citizen Science Projekt luftdaten.info widmet sich das OK Lab seit Anfang 2015 der Feinstaub­messung. Folgenden Fragen sollte nachgegangen werden: - Wie kann die Luftqualität in Stuttgart gemessen und visualisiert werden? - Welche Auswirkungen hat das hohe Verkehrsaufkommen in Stuttgart auf unsere Luft? - Wie hoch ist die Belastung durch Feinstaub in Wohngebieten auch abseits des berüchtigten Neckartors? Die Daten sollen dafür in einem Gesamtbild qualitativ visualisiert werden, um das 'Problem' besser zu verstehen.


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Brigitte Alfter

Managing Editor, Journalismfund.eu
Managing Editor at Journalismfund.eu, a support structure for in-depth, innovative and independent journalism in Europe. Lived in Brussels from 2004-2008 working as EU-correspondent for Danish daily Information, since then back in Copenhagen. 2008-2012 Freelance cross border jour... Read More →

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Prof. Dr.-Ing. habil Rainer Friedrich

Universität Stuttgart
Prof. Dr. Rainer Friedrich leitet die Abteilung ‚Technikfolgenabschätzung und Umwelt‘ am Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung der Universität Stuttgart. Sein Arbeitsgebiet ist die Technikbewertung. Unter anderem untersucht er, welche Auswirkungen... Read More →
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Rajko Zschiegner

Rajko Zschiegner ist selbständiger Informatiker (Schwerpunkte IT-Sicherheit und Datenschutz). Seit September 2015 arbeitet er am Projekt 'luftdaten.info' mit. Er ist dabei Hauptansprechpartner bei Fragen rund um die Software und organisiert den Kontakt zu Gruppen im Ausland, die sich auch mit dem Thema Luftdaten... Read More →


Friday September 8, 2017 09:00 - 09:45
großer Saal EG (B20/22) Erich-Brost-Institut, Otto-Hahn-Str. 2, 44227 Dortmund

Attendees (16)